Sternstunde der Gauselmann Gruppe

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Paul Gauselmann vor seinem ersten, selbstentwickelten Geldspielgerät.

09.12.2016 Espelkamp | Unternehmen

Sternstunde der Gauselmann Gruppe

Vor 40 Jahren, am 9. Dezember 1976, erteilte die Physikalisch-Technische Bundesanstalt mit Sitz in Berlin dem Unternehmer Paul Gauselmann die Zulassung für sein erstes selbstentwickeltes Geldspielgerät – den MERKUR B. Damit fiel gleichzeitig der Startschuss für eine unvergleichliche Erfolgsgeschichte, in deren Verlauf ein internationaler Familienkonzern mit weltweit 10.000 Beschäftigten entstand. Mehr als zwei Millionen Spielgeräte haben seitdem die Produktionsstätte in Lübbecke verlassen.

Dass das erste Spielgerät ausgerechnet den Namen MERKUR erhielt, verdankt es der Tatsache, dass 1976 ein Merkur-Jahr war. Auf diese Idee brachte den damals 42-jährigen Paul Gauselmann ein enger Freund, der Künstler Werner Ganteföhr. Er entwarf auch gleich das passende Emblem, die freundlich lachende Merkur-Sonne, die nach wie vor als eines der bekanntesten Spiel- und Glückssymbole gilt, und mit der bis heute sämtliche Produkte der Unternehmensgruppe gekennzeichnet sind.

„Der MERKUR B“, so Paul Gauselmann rückblickend „war damals technisch noch sehr entwicklungsfähig, aber das Spiel war absolut spitze und brachte auf Anhieb die Akzeptanz gegenüber den Konkurrenzgeräten, was sich auch entsprechend in der Kasse bemerkbar machte.“

Mit 3-2-1 fing alles an

Drei senkrecht laufende Walzen, sechs Gewinnfelder in der Anordnung 3-2-1, die sogenannte „Tüte“, mit sechs Gewinnlinien und erstmalig in Deutschland die 100er Serie direkt aus dem Spiel waren die markantesten Details des MERKUR B.

„Der MERKUR B wurde wie wild gekauft“, erinnert sich sein Erfinder. Denn schon nach den ersten Kassierungen erkannte jeder, was für ein Potential in dem Spielgerät steckte. Vor allem aber die Chance, 100 Sonderspiele ab dem ersten Spiel direkt gewinnen zu können, war ein absolutes Novum und erfüllte die Wünsche der Spielgäste.

Das Erfolgsgerät MERKUR B war natürlich nicht von heute auf morgen entstanden, sondern das Ergebnis rund vierjähriger intensiver Entwicklungsarbeit. Umfassende Marktuntersuchungen, Erfahrungen und Testergebnisse hatten ihren Teil zur Konzeption des Geldspielgerätes MERKUR B beigetragen.

Doch wie kam der ohnehin schon erfolgreiche Unternehmer Paul Gauselmann überhaupt auf die Idee, sein eigenes Geldspielgerät zu entwickeln?

„Ich war damals (1971) Vize-Präsident des ZOA (Bundesverband der Aufstellunternehmer) sowie Vorsitzender des DAV (Deutscher Automaten-Verband NRW) und hatte gewagt, einen der großen, traditionellen Hersteller, die nach dem Krieg das Automatenspiel in Deutschland wieder zum Laufen gebracht hatten, zu kritisieren. Daraufhin wurde ich als Händler von diesem Hersteller, der Firma Wulff aus Berlin, mit einem Lieferboykott belegt. Das war für mich als bereits sehr erfolgreicher Großhändler natürlich fatal, denn ich konnte dadurch meine Kunden nicht mit dem angesagten Top-Produkt ‚Monarch‘ beliefern. So blieb mir nichts anderes übrig, als in einem persönlichen Gespräch mit dem Hersteller Günter Wulff die Angelegenheit aus der Welt zu schaffen. Auf der Rückfahrt von Berlin habe ich mir dann aber geschworen, solch einen „Canossa-Gang“ nie wieder machen zu müssen, sondern mein eigenes Gerät zu bauen. Und das habe ich dann auch getan.“

Viele Zeitzeugen in der Automatenbranche meinen jedoch, dass nicht nur dieses Ereignis ausschlaggebend für die Entwicklung und Produktion des MERKUR B war. Schließlich begeisterte sich Paul Gauselmann schon als junger Mensch für alles Technische und die Welt der Zahlen. Daher vermuten viele Wegbegleiter, dass er früher oder später sowieso seiner großen Kreativität und seinem Erfindergeist, aus dem im Verlauf der Jahre auch rund 300 Patente resultierten, freien Lauf gelassen und eigene Spielgeräte gebaut hätte.

Vom Meisterstück zum Museumsstück

Heute hat der MERKUR B seinen würdigen Platz im Deutschen Automatenmuseum auf Schloss Benkhausen gefunden. In einer Reihe mit den ersten Warenautomaten von 1888, der bunten Vielfalt mechanischer Musikautomaten aller US Hersteller, Nadelspielen als Vorläufer des heutigen Flippers bis hin zu den legendären einarmigen Banditen aus Amerika von 1910, zählt die erste Geldgewinnspiel-Serie von Paul Gauselmann aus dem Jahr 1977 zu dem eindeutig jüngsten Exponat des bekannten Branchenmuseums.

Der MERKUR B ist somit ohne Frage ein außerordentlich bedeutender Meilenstein in der sagenhaften Erfolgsgeschichte des Espelkamper Unternehmens Gauselmann, die 1957 als nebenberuflicher Einmannbetrieb ihren Anfang nahm, aber noch lange nicht zu Ende geschrieben ist.

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